Kein Problem, Chef! Ahhhhhhhhhh!!!
Stress, Burn-out, Depression: Trotz Digitalisierung und KI ist die Arbeitslast hoch – und die Politik erhöht den Druck.
Die einzelnen Fälle wie vom Tobias im Artikel wirken immer so, als hätte sich da jemand dummerweise übernommen, nachdem aufgrund von Personalmangel leider besonders viel Arbeit angefallen ist und derjenige sich unglücklicherweise nicht ausreichend abgrenzen konnte.
Liest man aber den Artikel genauer (und auch das sehr aufschlussreiche in einem Geschwisterkommentar genannte Buch von Martin Wehrle), so wird klar, dass die Überlastung kein Versehen ist und manche Firmen z.T. eine Vielzahl von knallharten Manipulationstechniken einsetzen:
- Leute ganz gezielt mit den Aufgaben von mehreren Stellen befassen
- Kollegen sind auf einmal irgendwie weisungsbefugt und laden einem immer neue Aufgaben auf den Tisch, ohne dass das jemand transparent gemacht wurde oder es einen Mechanismus gibt, die Arbeitsmenge zu steuern - oder auch nur Prioritäten festzustellen. (Besonders gut geht das in einer Matrixorganisation.)
- dauernd herrscht enormer Zeitdruck
- die Stellenangebote fragen nach “engagiert”, “teamfähig”, “belastbar”, “flachen Hierarchien”, “dynamisch”, “kein Silo”, “unternehmerisch denkend” usw.
- Vorgesetzte machen blöde Bemerkungen, wenn man einen längeren Urlaub einreicht
- Ergebnisse oder Feststellungen, wann etwas fertig ist, unterbleiben… So bildet sich bald kein Stapel sondern ein Komposthaufen von halbfertigen Projekten
- Überstunden, Not- und Bereitschaftsdienste, Wochenendarbeit werden stillschweigend erwartet
- ach ja und die Firmenfeiern organisieren die Kollegen ganz ‘freiwillig’ unter sich
- auf eine Zeiterfassung wird (rechtswidrig) verzichtet
Definitiv - der verlinkte Artikel ist richtig lesenswert (gerade für die gut ausgebildeten und ambitionierten Leute hier) und du hast auch mit deinem Post richtig Recht. Was zum Teil in Firmen verlangt wird, ist unmenschlich und es ist völlig logisch, dass Leute daran kaputt gehen
Irgendwann wurden die Aufgaben so komplex und zugleich so stark von mir und meinem Wissen abhängig, dass ich während Krankheits- und Urlaubstagen arbeiten sollte. Es hieß, wenn ich die Arbeit nicht erledigen würde, könne es niemand anderes tun.
Musste da auch schon selbst die Erfahrung machen: Wenn man nie mal einen längeren Urlaub macht oder auch mal krank ist, dann verschiebt sich das immer noch mehr in die Richtung, dass nur man selbst gewisse Themen kennt und dass niemand einen bei Abwesenheit vertreten kann.
Wenn man eben nur ein, zwei Tage zwischendurch mal Urlaub hat, dann warten die Kollegen einfach bis man wieder da ist, anstatt mal selbst zu schauen wie das geht.
Und: Oft wird einem nicht vom Chef gesagt, dass man deswegen nicht in den Urlaub kann, auch nicht von den Kollegen, sondern man redet es sich selbst ein.
Auch recht lesenswert in dem Zusammenhang: Martin Wehrle, “Bin Ich hier der Depp?”



